SONDERAUSSTELLUNG

Leute machen Kleider

Innichens reicher Fundus an Textilien
Von 783 bis zum Jahr 1803 gehörte Innichen zum Hochstift Freising. In dieser Zeit entwickelte es sich zu einem einflussreichen geistlichen und kulturellen Zentrum. Davon zeugen heute noch besonders kostbare Mess- und Prozessionsgewänder. Sie erzählen von der Pracht, aber auch von der Wirtschaftskraft des Innichner Stiftskapitels.

 
 
Messgewänder
Im frühen Christentum kleideten sich Kleriker bei der Liturgie im Stil römischer Beamter.
Seit dem 4. Jh., als das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion wurde, symbolisieren liturgische Gewänder die Würde des Amtes und wechseln farblich nach dem Kirchenjahr.
Bis ins frühe Mittelalter bleiben sie jedoch schlicht. Sie werden aus ungemusterten Stoffen ohne Zierbesätze gefertigt.
Im Barock werden Messgewänder aus kostbaren Stoffen wie Samt, Brokat, Seide oder Damast hergestellt und reich bestickt. In der Zeit der Aufklärung legte man das als überflüssig empfundene Dekor wieder ab.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts orientiert man sich mehr an der Bequemlichkeit. Die neuen Formen sind nicht zuletzt notwendigen Sparmaßnahmen geschuldet.
Der liturgische Farbkanon
Das Trientner Konzil war bestrebt den Kultus der katholischen Kirche zu vereinheitlichen. In Folge legte Papst Pius V. 1570 einen liturgischen Farbkanon fest.
5 Farben sollten den Charakter der verschiedenen Zyklen des Kirchenjahres verdeutlichen.
Weiß (oder Silber) = Licht; Rot = Blut, Feuer, Heiliger Geist; Grün = Hoffnung; Violett = Verwandlung; Schwarz = Trauer.
Die im Mittelalter auch verwendeten Farben Blau oder Gelb wurden eliminiert.
1729 kam noch eine weitere Farbe hinzu. Rosa = freudige Erwartung.
Prozessionsgewänder
Umhang der Prozessionsstatue „Schmerzhafte Muttergottes“ – Mitte 18. Jh. -
aus ursprünglich blauer Seide, mit Reliefstickereien aus vergoldeten und versilberten Metallfäden. Am Saum streng geometrisches Gittermuster aus stets gleich breiten Bändern (Bandelwerk), kombiniert mit geschwungenen Füllhornmotiven und aufsteigenden floralen Ranken und Blüten. Das Füllhorn ist ein Glückssymbol und steht für Fruchtbarkeit und Reichtum.

Gewand der Prozessionsstatue „Schmerzhafte Muttergottes“ - spätes 18. Jh. (Spätbarock/Rokoko) aus rotem Seidensamt, opulent bestickt mit applizierten Glasperlen und Spitze, mit symmetrisch aufsteigenden Akanthusblätter und Palmetten. Das zentrale Medaillon auf der Brust zeigt das IHS-Monogramm, darunter das brennende Herz Jesu.

Beide Exponate konnten dank Unterstützung des Landesdenkmalamtes der Autonomen Provinz Bozen von Mag. Art. Elisabeth Delvai restauriert werden.